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Samstag, 24. März 2001

BFC Dynamo - Union Berlin 24.03.2001
















http://home.snafu.de/erich.mielke/HTMLPresse/2001_03_26_2.html

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Dynamos doppelte Niederlage / Die Krawalle nach dem 0:3 gegen Union zerstören das Bemühen des Klubs um Imageverbesserung





Am Sonnabend um 21.20 Uhr klingelte das Handy von Karin Seidel-Kalmutzki. Die Miene der Präsidentin des Berliner FC Dynamo verfinsterte sich. "In der Schönhauser Allee sind Wasserwerfer im Einsatz. Mein Sohn ist mitten hineingeraten", sagte sie und zündete sich nervös eine Zigarette an. Es war der Moment, als der 3:0-Sieg des 1. FC Union über den alten Rivalen im Paul-Rusch-Pokal kaum noch interessierte. Alle blickten nur noch durch die Fenster des Presseraums im Jahnstadion auf die Blaulichter: In Sichtweite hatten die gefürchteten Hooligans des BFC eine Straßenschlacht initiiert, bei der es neun Verletzte gab. Ein schwerer Rückschlag für Dynamo und die SPD-Politikerin Seidel-Kalmutzki, die um eine Imageverbesserung des Vereins kämpft, der laut Experten das größte Fan-Gewaltpotenzial hier zu Lande besitzt.

Seidel-Kalmutzki war "total traurig", weil Randalierer in einer Stunde viel von ihrer Aufbauarbeit wieder zerstört haben. Trainer Jürgen Bogs sprach von "sinnloser Gewalt, die wieder einmal auf den Verein zurückfallen wird". Alles war voraussehbar. Kurz vor Spielende postierte sich ein Großaufgebot der Polizei vor dem BFC-Block. Unverständlich blieb, warum dann von Ordnungshütern Transparente abgerissen wurden, die niemanden gestört hatten. BFC-Anhänger kletterten wutentbrannt auf die Zäune. Seidel-Kalmutzki und Union-Präsident Heiner Bertram sagten unisono: "Die Polizei hat provoziert." Laut Bogs "war das Polizeiverhalten der Auslöser für die Randale". Es flogen nach dem Spiel auf dem Stadiongelände Feuerwerkskörper und Farbtöpfe auf Beamte.

Die Polizei setzte Schlagstöcke ein. Die Sicherheitskräfte im Jahnsportpark gerieten in die Kritik: Statt die BFCler nach dem Schlusspfiff erst einmal im Block zu belassen, wurden die Unioner angewiesen, noch zu bleiben. Nicht nur, dass diese unter den 4 427 Zuschauern deutlich in Unterzahl waren, als Sieger waren sie nach anfänglichem Unmut (viele hatten den Anpfiff wegen schleppenden Kartenverkaufs verpasst) auch besser gelaunt. Ein taktischer Anfängerfehler: So konnten die Weinroten vor den Stadiontoren auf die Rot-Weißen warten. Teilweise sollen vom BFC eingesetzte Ordner sich ihrer Jacken entledigt und mit auf die Unioner eingeprügelt haben, die meist flüchteten.

Seidel-Kalmutzki erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei: "Ich habe Beamte gesehen, die sich abgeklatscht haben, bevor sie zu unseren Fans gingen - so als würden sie sich auf ein Duell freuen. Ich wollte mit dem Einsatzleiter sprechen, doch das wurde mir verweigert." Auch der Berliner Fußball-Verband wird sich einige Fragen gefallen lassen müssen: Warum wurde abends gespielt, wenn Randalierer den Schutz der Dunkelheit nutzen können? Und warum an einem Wochenende, an dem die Profiligen Pause hatten und viele Hooligans aus der ganzen Republik nach Berlin pilgerten? Dieses Spiel wird sicherlich ein Nachspiel auf politischer Ebene haben. Dafür wird Seidel-Kalmutzki sorgen.

Was bleibt, sind sportliche Randgeschichten: Als sich draußen 500 Hooligans mit der Polizei prügelten, Flaschen und Steine flogen, stand Daniel Teixeira im kalten, zugigen Kabinentrakt und gab Interviews. Erneut hatte der Brasilianer zwei Tore erzielt, er kommt somit auf zehn Treffer in sieben Pflichtspielen. Diesmal waren es die entscheidenden Abschlüsse in der 70. und 77. Minute, denen Steffen Menze noch das 3:0 folgen ließ (86.). "Ich widme diese Tore unseren Fans", sagte Teixeira erstaunlich gut informiert, "denn ich weiß um die Rivalität mit Dynamo aus DDR-Zeiten." Über seine Zukunft wollte die Leihgabe aus Uerdingen wieder keine Angabe machen, allerdings verriet Präsident Bertram, dass er bemüht ist, Teixeira über den Sommer hinaus zu binden.

Auch, und das ist neu, bei einem Verbleib in Liga drei. Verhandlungen laufen bereits. "Teixeira ist erfolgreich, er passt zu uns, jetzt wird gepokert", sagte Bertram: "Uerdingen wittert seine Chance, an ihm zu verdienen." Gegen den BFC machte der Stürmer den Klassenunterschied aus. Er nutzte zwei kapitale Abwehrfehler in einem lange ausgeglichenen Spiel. "Das ist ein Torjäger von einer anderen Klasse als wir sie in der Oberliga kennen", befand BFC-Kapitän Jörn Lenz. Für Bertram war der Sieg, obwohl erst Achtelfinale, wertvoll wie ein Titel. "Jetzt müssten wir eigentlich den Pokal gewonnen haben. Es sollte nun ein leichter Weg sein." Da ahnte er noch nicht, dass hirnlose Krawallmacher dabei waren, alle Freude zu zerstören.

"Zu einem Verein gehören auch seine Anhänger. Der BFC muss dringend etwas gegen diese Gewalttäter tun. Solche Leute haben beim Fußball nichts verloren." Union-Präsident Heiner Bertram: "Der BFC ist der einzige Viertligist mit hauptamtlichem Fanbeauftragten. Wir haben alles Menschenmögliche für ein friedliches Fußballfest getan. Doch unsere Bemühungen wurden konterkariert." Karin Seidel-Kalmutzki, Dynamo-Präsidentin "Es war eine herrliche Kulisse für einen schönen Fußball-Abend. Ich verstehe manche Leute nicht: Warum kann man mit diesem Gefühl nicht friedlich nach Hause gehen?"

Matthias Wolf, Berliner Zeitung, 26.03.2001

 


Paul-Rusch-Pokal - Achtelfinale 2000/01: BFC Dynamo - 1. FC Union Berlin 0:3







Langer Ball - (zu) lange Leitung / Der Oberligist bot dem Favoriten über eine Stunde beherzt Paroli
Der Favorit brauchte geraume Zeit, um sich standesgemäß und unterm Strich auch verdient, vom Resultat her aber wohl etwas zu hoch, durchzusetzen. Das letztlich noch klare Resultat täuscht nämlich eine Überlegenheit des Siegers vor, welche es zumindest eine Stunde lang so nicht gegeben hatte. Erst der späte Doppelschlag seines Torjägers Teixeira brachte Union auf die Siegerstraße. Dies passierte freilich in einer Phase, als der BFC sein (Offensiv-)Pulver verschossen hatte und es folglich nur noch eine Frage der Zeit war, wann der sich nach dem Wechsel nahezu pausenlos am Drücker befindliche Favorit zum entscheidenden Schlag ausholen würde.

In der zweiten Halbzeit lagen die Vorteile auf unserer Seite", fand Union-Trainer Georgi Wassilev. Doch bis auf einen Kopfball von Ernemann (62.) brachte Union vorm Tor zunächst wenig zustande. Dann allerdings kam jene 70. Minute, in der das Schicksal für den bis dato tapfer mithaltenden Außenseiter seinen Lauf nahm. Um so bitterer für den BFC, dass sich dabei mit Lenz und Thomaschewski ausgerechnet zwei wahrlich nicht unerfahrene Akteure bei einem weiten Abschlag von Union-Torwart Wulnikowski anstellten wie Anfänger. Der Ball war lange unterwegs - die Reaktionszeit der beiden dauerte aber noch länger. Der eine (Lenz) ließ das Leder tippen und passieren, der andere (Thomaschewski) konnte sich nicht zum Eingreifen entschließen - Teixeira nutzte das doppelte Zögern und sagte Danke.

"Ein wirklich kapitaler Fehler", konnte es auch BFC-Coach Jürgen Bogs kaum fassen. Dahin war die taktische Konstellation, Union wenig Platz und damit keine Räume zur Entfaltung zu lassen. Beides hatte bis dahin ganz passabel funktioniert. Und vor allem Teixeira bekam dies zu spüren. Er sah nämlich eine Stunde lang gegen den starken Batrinu keine Schnitte. Erst als nach der Pause mit Isa und (später) Durkovic zwei weitere Angreifer den Brasilianer effektiver unterstützten und das Abwehrschema der Hausherren so regelrecht "aufweichten", kam er dann besser zur Geltung, weil ihn sein (zuvor direkter) Gegenspieler nun mehrfach aus den Augen verlor. Das hatte erneut durchschlagende Wirkung: Mit seinem zweiten Tor machte Teixeira alles klar, nachdem ihn kurz zuvor der zurückgeeilte Kallnik noch so gerade hatte bremsen können (75.).

Im Angesicht der letztlich noch deutlichen Niederlage verschwamm der gute Eindruck, welchen der BFC in der ersten Hälfte hinterlassen hatte, etwas. Da lief das Leder oft über mehrere Stationen durch die eigenen Reihen. Von hinten heraus wurde dabei nicht etwa planlos gebolzt, sondern stets versucht zu spielen. Und speziell wenn einer der nicht nur zahlenmäßig starken Rumänen-Fraktion am Ball war, wurde es auch gefährlich. So bereitete nicht zufällig der technisch brillante Regisseur Cristescu mit zwei Zuckerpässchen große Chancen für Oprea (15.) und vor allem Koslow (41.) vor. Beide jedoch konnten das Leder nicht am herausstürzenden Wulnikowski vorbeibringen. Auch Panait und Oprea waren am linken Flügel gut freigespielt, fanden mit ihren Eingaben aber keinen Mitspieler.

Vier durchaus verheißungsvolle Möglichkeiten in einer Halbzeit sind gegen Unions anerkannt starke Abwehr wahrlich keine schlechte Ausbeute - nur muss man auch was draus machen. Das aber versäumte der BFC und sah sich nach der Pause mehr und mehr im Rückwärtsgang. Union legte jetzt nicht nur personell einen Gang zu, machte im Aufbau schon von hinten heraus Druck (Menze) und drängte den Kontrahenten weit in dessen Hälfte hinein. Jetzt hielt man auch in Zweikämpfen energischer dagegen, was eine anhaltende Überlegenheit zur Folge hatte. "In der Regionalliga wird halt etwas schneller gespielt", sah auch Jürgen Bogs, wie seine Spieler dem anziehenden Tempo langsam Tribut zollen mussten und in direkten Duellen oft einen Schritt zu spät kamen (was manche Gelbe Karte erklärt). Trotzdem: Ohne die "lange Leitung" hätte es bis zur Entscheidung noch etwas länger dauern können.

BFC Dynamo:
Thomaschewski; Lenz; Batrinu, Kallnik; Mba (60. Hahn), Zegrean, Cristescu, Jarling (78. Vollmar), Panait; Koslow, Oprea (82. Ortülü)
1. FC Union Berlin:
Wulnikowski; Menze; Müller, Ernemann; Kremenliev (46. Isa), Balcarek, Tredup, Okeke (87. Ruhmland), Nikol; Zechner (67. Durkovic), Teixeira

0:1 Teixeira           (70.)
0:2 Teixeira           (77.)
0:3 Menze              (87.)

Schiedsrichter:        Richter (Berlin)
Zuschauer:             4.427

Sascha Stolz, Fußballwoche, 26.03.2001

 


Krawalle nach Fußballspiel / Polizei setzte in Prenzlauer Berg Wasserwerfer gegen Randalierer ein / Neun Verletzte





Nach dem Fußballklassiker zwischen den alten Rivalen BFC Dynamo und dem 1. FC Union im Achtelfinale um den Berliner Paul-Rusch-Pokal im Jahn-Sportpark ist es am Samstagabend in Prenzlauer Berg zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Polizei, die mit 500 Beamten im Einsatz war, ging auf der Eberswalder Straße sowie auf der Schönhauser Allee mit Schlagstöcken und Wasserwerfern gegen randalierende Fußball-Fans vor. Neun Menschen, darunter vier Polizisten, wurden verletzt. Es gab 20 Festnahmen. Zudem wurden 46 Ermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und Landfriedensbruch.

Während des Polizeieinsatzes kam es zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen. Der Straßenbahnverkehr in der Eberswalder Straße musste zeitweilig unterbrochen werden. Berichte, nach denen Geschäfte geplündert wurden, bestätigte die Polizei nicht. Unklar ist, was der Grund für die Auseinandersetzungen war. Die Ausschreitungen begannen unmittelbar nach dem Spielende gegen 20.45 Uhr. Etwa 150 Anhänger des BFC waren mit Knüppeln und Latten auf die Beamten losgegangen. Die Randalierer warfen Steine und Flaschen auf die Polizisten. Daraufhin setzten die Beamten Schlagstöcke und Wasserwerfer ein. Es dauerte eine halbe Stunde, bis sich die einzelnen Fan-Gruppen zerstreut hatten.

Gegen 21 Uhr wurden die Wasserwerfer in die Schönhauser Allee beordert. Dort hatten nach Angaben der Polizei BFC-Fans damit begonnen, Straßensperren auf der Fahrbahn zu errichten. Mit Hilfe der Wasserwerfer sei dies verhindert worden, sagte ein Beamter. Bereits vor Spielbeginn war es in der Schönhauser Allee und in den Nebenstraßen zu Rangeleien zwischen Union-Fans und BFC-Anhängern gekommen. Die Behörde wies noch am Abend Vorwürfe zurück, nach denen die Polizei zu hart vorgegangen sei. Wenn jemand Steine und Flaschen auf Polizisten werfe, müsse er davon ausgehen, dass die Beamten sich schützten und wehren, hieß es.

Bei den Ortsderbys zwischen BFC und Union war es in der Vergangenheit immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. Im vergangenen Jahr, als der BFC bei Union in der Alten Försterei 2:1 unterlag, griffen BFC-Fans die Polizei mit Pflastersteinen und Flaschen an. 16 Polizisten wurden dabei verletzt, vier davon so schwer, dass sie in einem Krankenhaus stationär behandelt werden mussten. In Berlin gelten 350 Fußballanhänger als gewaltbereit. Etwa 200 von ihnen sind, nach Angaben der Polizei, Fans des BFC.

Lutz Schnedelbach, Berliner Zeitung, 26.03.2001

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